Allgemein

Eine Erinnerung, ein Erlebnis und…

Der „Garten der Genesung“ ist eine Erfahrung, ein Erlebnis und eine Erinnerung. Ich möchte mit der Erinnerung beginnen, weil sie so oft präsent ist. Es ist die Erinnerung an das Bewusstsein des Bewusstseins. All das, was man sich im Garten der Genesung angeschaut hat, kommt in der Zeit danach in Form von Übungsbeispielen daher. Es zeigt sich, was geändert werden will. Und wenn alles gut geht, man einen guten Tag hat, dann erinnert man sich, noch bevor man in sein altes Muster fallen kann.

,Da war doch was…’. ,Das haben wir doch besprochen…’. ,SO nicht mehr!’ Sich einen Moment der Achtsamkeit schenken, innehalten, und dann reden oder handeln. Das ist gelebte Verwandlung. Das klappt mal besser, mal weniger gut. So wie bei einem Kleinkind das Laufen lernt. Man fällt immer wieder mal hin, aber man weiß dann zumindest warum. Man kann sich den Grund bewusst machen, aufstehen und weitergehen. Man kann aber auch sitzen bleiben und mit den Fäusten auf den Boden schlagen, während man sich kläglich die Frage stellt: „Warum schon wieder?“ Kann man, bringt nur nichts.

Die Erinnerung muss schon auch das Wollen an die Hand nehmen. Wenn das nämlich zurück bleibt, dann wird auch die Erinnerung verblassen und dann war auch der Aufenthalt erst mal nicht von Nutzen. Wer also keine Verwandlung möchte, kann genauso gut zu Hause bleiben und sich die Fahrt ins schöne Mühlviertel sparen.

Ich wollte und ich will mich verwandeln. Aus Liebe zu mir selbst, aber auch zu allem was ist. Wir sind ja keine Insel, auch, wenn wir das gerne glauben und viele so leben, als wäre dem so. Sind wir nicht. Das Bewusstsein ist ebenso individuell wie kollektiv. Das zeigt sich mehr denn je am Zustand der Welt und den scheinbaren Gräben, die uns „von den anderen“ trennen.

Abseits all dieser Illusionen ist es immer das Große Ganze, das unser Leben ausmacht und in das es gebettet ist. Das ist es auch, was man im „Garten der Genesung“ erlebt. Es ist nicht nur das Zusammenspiel von Geist, Körper und Seele. Es ist auch das Zusammenspiel von uns mit der Natur, mit anderen Menschen, mit Tieren und mit Gott. Es zeigt sich im Außen, aber der Ursprung liegt tief in unserem Inneren.

Es sind die kleinen Wunder und Zeichen, die mir diesbezüglich im Garten der Genesung begegnet sind. In Form von Gesprächen und Gefühlen. An einem Nachmittag, als Gott besonders nah war, zeigte sich zum Beispiel bei einem Gespräch mit Bernhard eine Dreier-Formation von Zitronenfaltern. Wie aus dem Nichts stiegen sie auf einmal aus oder hinter einem Baum auf. Wie an einem unsichtbaren Faden flatterten sie hintereinander her, wie zu einem Tanz einer nicht hörbaren Melodie – ein ganz besonders berührender Moment. Für mich standen sie für Energien, über die wir in dem Moment gesprochen haben und für die Heilige Dreifaltigkeit. Wir haben sie ein Stück mit der Kamera verfolgt und ihnen zugesehen, wie sie – auch ungewöhnlich für Schmetterlinge – immer weiter in den Himmel aufstiegen. So hoch, bis wir sie nicht mehr sehen konnten.

Der Schmetterling steht ja auch für Transformation. ,Erkenne die Zeichen und deute sie weise…’, schoss es mir durch den Kopf. Ja, es ist wieder mal Zeit für Transformation und dafür bin ich genau am richtigen Ort. Dort, wo alles darf, nichts muss und dennoch möchte. Dieses Wollen, dieser Wunsch nach Verwandlung hat sich bei mir im „Garten der Genesung“ noch verstärkt, wenngleich ich ihn bei der Anreise bereits mit im Gepäck hatte. Vielleicht auch deshalb, weil die Gespräche mit Sabine und Bernhard so eine Leichtigkeit hatten. Ungeachtet der Schwere der Thematik. Selbst Tränen, die an der Quelle der Traurigkeit ihren Ursprung nahmen, ergossen sich in Erleichterung oder gar der Freude über eine Erkenntnis.

Vieles, was sonst gar nicht geht, geht an diesem Ort leicht. Ich bin ein Genussmensch aus dem Bilderbuch, mit Hang zu allem, was für Genuss steht. In meiner Welt ist das auch Fleisch. Gemüse zählt nicht dazu. Oder besser gesagt, es zählte nicht dazu. Ich kann auch schon mal auf eine Mahlzeit verzichten, so sie rein vegetarisch ist. Muss ich nicht haben. Im „Garten der Genesung“ wird, was für eine Überraschung, vegetarisch gekocht. Ich möchte nicht sagen, dass dieser Gedanke in mir Panik auslöste, aber immerhin so viel Unwohlsein, dass ich gleich mal in den nächsten Ort fuhr, um Salami zu holen.

Kurz vor dem Abendessen habe ich mir dann ein Brötchen mit eben dieser Wurst genehmigt. Nein, nicht unter argwöhnischen Blicken. Keine erhobenen Zeigefinger, keine Ansprachen über die nicht vorhandene Kompatibilität einer Salami und einem Reinigungsprozess, der ja im besten Fall auch den Körper betreffen soll. Nichts dergleichen. Wohltuend!

Um nicht unhöflich zu sein, habe ich mich später dann doch mit allen zu Tisch gesetzt und ein Häppchen Reis und Gemüse gekostet. Einfach aus dem Sinn für Gemeinschaft heraus, nicht aber aus Gusto auf das Abendessen selbst. ,Ein Löffelchen Gemüse, das werde ich schon irgendwie runterbringen’, so der ursprüngliche Gedanke. Und da verblödete alte Muster offenbar nur dazu da sind, um aufgelöst zu werden, hat mir der Gemüseeintopf von Sabine doch tatsächlich geschmeckt. Das schreib ich jetzt nicht, um höflich zu sein. Ich schreibe es, weil es so wa(h)r (ist). Es war so gut, dass ich sogar nach dem Rezept gefragt habe. Tatsache! Nein, ich habe es noch nicht nachgekocht, aber Rom ist ja auch nicht an einem Tag erbaut worden…

Über allem, was man im „Garten der Genesung“ nämlich tut, stehen die Lebensfreude und die Liebe zu sich selbst. Selbst der Schlaf, den man sich im unbeschreiblich gut duftenden Zirben-Zimmer gönnt, ist Ausdruck dafür. Ja, gönnt. Weil das ja auch was kostet. So wie der Urlaub am Meer oder sonst wo. Schon alleine die Entscheidung, sich in den „Garten der Genesung“ zu begeben ist eine Hinwendung zu sich selbst. Eine bewusste Entscheidung. Nicht, weil es notwendiges Übel ist, um dies oder das loszuwerden, zu heilen oder zu ändern. Der Aufenthalt im Garten der Genesung ist ein Akt der Liebe zu sich selbst.

Sich selbst lieben, wohl eine der schwersten Übungen überhaupt, wenn selbiges nicht mit egoistisch sein verwechselt wird. Das ist naturgemäß viel einfacher, allerdings ist das nicht der Gehweg. ,Ah, falsch abgebogen’, ist auch eine Erkenntnis, der man am Haslhof öfter begegnen kann als einem lieb ist, aber deswegen ist man ja dort. Alles nicht schlimm, so lange man hinschaut, wenn es sich zeigt, und man auch das als Chance zur Veränderung annimmt.

Sich selbst lieben hat auch viel mit dem Bewusstsein zu tun, dass das Göttliche in einem wohnt. Im „Garten der Genesung“ hat es genug Raum, sich zu zeigen. Es ist nicht wirklich zu beschreiben, aber es ist groß und mächtig. Es ringt einem Dankbarkeit ab und auch Tränen des Glücks. Es ist. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Das muss erlebt werden.

Der „Garten der Genesung“ kann der Beginn eines Weges sein, oder eine Station für jene, die sich bereits auf den Weg gemacht haben. Für mich ist es Letzteres. Es ist auch völlig unerheblich, ob man am Anfang dieses Weges steht oder in der Mitte, zumal sich das ohnehin nicht einordnen lässt. Denn nichts ist so beständig wie die Verwandlung selbst und das Wissen, dass man nichts weiß. Und selbst wenn man mal glaubt, etwas zu wissen, heißt das noch lange nicht, dass man es umsetzen kann. Genau das muss man üben. Jeden Tag, immer mehr, immer bewusster. Keine einfache Übung, aber mit der Erinnerung an den „Garten der Genesung“ geht es einfach leichter, und vor allem: es geht überhaupt!

Ich bin dankbar für diesen Ort und für die Begegnung mit Sabine, Bernhard und Gott. Ebenso für die Inspiration zu diesem Gedicht, das ich umhüllt von Sonnenstrahlen und der göttlichen Liebe im „Garten der Genesung“ geschrieben habe.

Liebe

Schwer wie die Vibration des tiefen Basses

Bis in die hintersten Winkel der Seele schwingt

Ergreifend wie ein Gebet

Ergriffen wie die Freude selbst

Aufgewühlt wie die Brandung

Schaumgekrönt

Leicht auf Flügeln von Schmetterlingen

-fortgetragen in die Weite

wo Gott darauf wartet

sich uns selbst zu schenken

mit dem was wir sind

Liebe

Ein Gast, der auf dem Weg ist.

Schreibe einen Kommentar